Kakao. Das Wort allein lässt viele von uns innerlich lächeln. Warm, aromatisch, irgendwie tröstlich. Doch stimmt es wirklich, dass Kakao gesund ist oder ist das ein Mythos?
Naja, es kommt sehr darauf an, welchen Kakao du trinkst. Denn Rohkakao und handelsübliche Trinkschokolade sind zwei völlig verschiedene Produkte.
Was ist Kakao überhaupt?
Kakao ist weit mehr als nur "Schokogetränk". Er ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Die Maya tranken ihn bereits um 300 nach Christus, vermischt mit Wasser, Maismehl und Chili, und sahen in ihm ein göttliches Getränk. Kein Zufall, dass der botanische Name des Kakaobaums Theobroma cacao lautet: griechisch für „Nahrung der Götter".
Kakao wird aus den Samen der Kakaofrucht gewonnen, die am Kakaobaum wächst. In jeder Frucht stecken rund 20 bis 50 Bohnen, eingebettet in weißes, süßes Fruchtfleisch. Nach der Ernte werden die Bohnen fermentiert, getrocknet und – je nach Verarbeitungsgrad – geröstet und weiterverarbeitet. Aus der gemahlenen Kakaomasse entstehen zwei Hauptprodukte: Kakaobutter und Kakaopulver.
Die Frage ist jetzt, was damit gemacht wird. Wenn du an "gesunden" Kakao denkst, meinst du sehr wahrscheinlich "zeremoniellen Kakao". Manch einer sagt auch "Rohkakao".

Kakao Inhaltsstoffe: Was steckt wirklich drin?
Experten schätzen, dass in der gerösteten Kakaobohne noch etwa 400 verschiedene Inhaltsstoffe enthalten sind. Darunter:
Diese Inhaltsstoffe enthalten 100 Gramm pures Kakaopulver im Durchschnitt:
| Nährstoff | Menge pro 100g | Bedeutung |
|---|---|---|
| Magnesium | ~ 545 mg | Muskeln, Nerven, Psyche |
| Eisen | ~46,8 mg | Blutbildung, Energie |
| Kalium | ~1.500 mg | Herzfunktion, Kreislauf |
| Kalzium | ~3660 mg | Knochen, Zähne |
| Natrium | ~292 mg | Immunsystem, Haut |
Kakao ist eine ausgezeichnete Magnesiumquelle. Dieser Mineralstoff liefert Energie für die Muskeln, unterstützt den Knochenaufbau und den Zahnerhalt und wirkt sich positiv auf eine ausgewogene psychische Verfassung aus.
Polyphenole & Flavanole
Der eigentliche Star im Kakao sind seine sekundären Pflanzenstoffe. Zu den wirksamen Sekundärstoffen zählen unter anderem Polyphenole wie die Flavonoide sowie Aminosäuren, die als Neurotransmitter dienen. Die wichtigsten Flavanole im Kakao sind Epicatechin und Catechin – Antioxidantien mit gut erforschter Wirkung auf Gefäße, Entzündungen und die Hautgesundheit.
Theobromin & Koffein
Im Gegensatz zu Kaffee enthält Kakao primär Theobromin und nur wenig Koffein. Theobromin wirkt sanfter, aber länger anhaltend wachmachend und stimmungsaufhellend. Es weitet die Gefäße und kann sogar hustenreizmildernd wirken.
Ist Kakao gesund? Was Studien wirklich sagen
Ja, echter, unverarbeiteter Kakao zeigt in der Forschung eine Reihe beeindruckender Effekte.
Herz-Kreislauf-System
Kakao-Flavanole in einer Menge von 200 mg wirken direkt auf das Endothel, die innere Auskleidung unserer Gefäße. Sie führen zu einem Anstieg von Stickstoffmonoxid, die Arterie gewinnt dadurch an Elastizität und kann die Blutmenge vom Herzen durch Ausweiten besser aufnehmen. Das Ergebnis: bessere Durchblutung, regulierter Blutdruck, weniger Entzündungen in den Gefäßen.
Antioxidativer Schutz
Antioxidantien schützen unsere Zellen vor freien Radikalen. Rohkakao erreicht beim sogenannten ORAC-Wert, der die antientzündliche Wirkung beschreibt, Spitzenwerte.
Hautbild & Polyphenole
Eine klinische Studie der Universität Düsseldorf (Heinrich et al., Journal of Nutrition, 2006) zeigte: Die Flavanole Epicatechin und Catechin verbessern die Hautstruktur und -funktion. Probandinnen wiesen nach regelmäßiger Aufnahme von flavanolhaltigem Kakao eine bessere Hautfeuchtigkeit sowie weniger raue und schuppige Haut auf – und einen stärkeren Schutz vor UV-Strahlen.
Stimmung & Psyche
Kakao enthält Theobromin und Tryptophan, beides Stoffe, die mit Glücksgefühlen in Verbindung gebracht werden können. Viele Menschen berichten von einem kleinen Stimmungs-Boost nach einer Tasse Kakao. Die Forschungslage ist hier noch nicht abschließend, aber vielversprechend.
Kakao vs. Schokolade: Was ist eigentlich der Unterschied?
Hier liegt das größte Missverständnis. Schokolade enthält Kakao, aber Kakao ist nicht gleich Schokolade.
Deine zuckrige Trinkschokolade ist somit kein gesundheitlicher Gewinn.
Sobald Kakaomasse mit Kakaobutter, Zucker und (bei Milchschokolade) Milchpulver vermischt wird, entsteht Schokolade. In Vollmilchschokolade liegt der Kakaoanteil meist zwischen 25 und 35 Prozent – der Rest besteht aus Zucker, Milchpulver und Kakaobutter.
Je weiter verarbeitet das Produkt, desto weniger gesunde Inhaltsstoffe bleiben übrig:
- Rohkakao (ungeröstet, ungesüßt): maximaler Flavanolgehalt, keine Zusätze
- Dunkle Schokolade ab 85%: noch relevante Mengen an Flavanolen, aber Zucker dabei
- Milchschokolade: geringer Kakaoanteil, viel Zucker, Flavanole durch Verarbeitung stark reduziert
- Vollmilch-Trinkschokolade aus dem Supermarkt: Industriell verarbeitete Trinkkakaomischungen enthalten viel Fett und Zucker – der Zuckeranteil liegt teilweise bei bis zu 80 Prozent.
Trinkschokolade ≠ Rohkakao: Ein wichtiger Unterschied
Viele Menschen denken beim Thema „Kakao trinken" automatisch an bunte Pulverdosen mit Kakaogeschmack. Das ist ein entscheidender Fehler.
Die positive Wirkung des Kakaos ist durch die starke Hitze beim industriellen Rösten und durch die Kombination mit Milch und Zucker quasi nicht mehr vorhanden. Dazu kommt: Der Gehalt an Flavanolen nimmt mit zunehmendem Grad des Verarbeitungsprozesses – Röstung, Fermentierung, Alkalisierung – deutlich ab.
Rohkakao ohne Zuckerzusatz ist das genaue Gegenteil: Um von den gesundheitsfördernden, antioxidativen Inhaltsstoffen zu profitieren, sollte man am besten qualitativ hochwertigen Edelkakao nutzen.
Und noch etwas: Zucker fördert Entzündungen im Körper! Genau das, was die Flavanole im Kakao bekämpfen sollen. Wer seinen Kakao zuckerfrei trinkt, lässt die Wirkstoffe ungestört arbeiten.

Wie viel Rohkakao pro Tag ist sinnvoll?
Eine bis zwei Tassen täglich sind super! Kakao sollte nicht zu heiß aufgekocht werden, denn Hitze kann empfindliche Pflanzenstoffe zerstören. Eine schonende Zubereitung bei rund 40–50°C bewahrt Geschmack und Inhaltsstoffe.
Am besten: pur, mit Wasser oder ungesüßter Pflanzenmilch, ohne Zucker. Regelmäßigkeit macht den Unterschied: Die positiven Effekte auf Gefäße und Haut zeigen sich natürlich nicht nach einmal Trinken, sondern erst nach mehreren Wochen.
Fazit: Ist Kakao gesund?
Ja, echter Kakao ist gesund. Aber es kommt auf die Form an. Rohkakao ohne Zucker ist ein mineralstoffreiches, polyphenolreiches Lebensmittel mit gut belegten positiven Effekten auf Herz, Haut und Wohlbefinden. Trinkschokolade aus dem Supermarkt ist das nicht.
Der einfachste Weg, täglich von den Vorteilen des Kakaos zu profitieren: eine Tasse Rohkakao, zuckerfrei, schonend zubereitet.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.